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Elisabeth Báthory, 

(Die Blutgräfin)

 

verheiratet Elisabeth Nádasdy (ungarisch: Báthory Erzsébet, slowakisch: Alžbeta Bátoriová/Báthoryová; * 7. August1560 in NyírbátorUngarn; † 21. August 1614 auf Burg ČachticeKönigliches Ungarn, heute Slowakei) war eine ungarische Gräfin aus demHause der Báthory von Ecsed. Ihre möglicherweise politisch motivierte Verurteilung als Serienmörderin im Jahr 1611 gab Anlass zur Herausbildung der Legende einer „Blutgräfin“, die die reale historische Person verdrängt hat und den Stoff für zahlreiche künstlerische Bearbeitungen abgab.

Leben

Jugend und Ehe

Elisabeth Báthory wurde 1560 als Tochter des adeligen Militärs Georg Báthory von Ecsed (ung.: Báthory György) und der Anna Báthory von Somlyó, der älteren Schwester des regierenden polnischen Königs Stephan Báthorys (ung.: Báthory István) geboren. Georg war der dritte von vier Ehegatten der Anna Báthory. Elisabeth hatte einen älteren Bruder, Stefan (geb. 1555, ungar. Istvan), und die jüngeren Schwestern Sofia und Klara. Sie wuchs in Ecsed auf und lernte Latein, Deutsch und Griechisch. 1571 wurde sie mit elf Jahren mit dem elf Jahre älteren Franz Nádasdy verlobt. Dessen Mutter Ursula hatte zwei Jahre vorher Schloss Čachtice als Mitgift für ihn gekauft und starb im Jahr der Verlobung. Die Hochzeit fand am 9. Mai 1575 statt, als Elisabeth 15 Jahre alt war. Báthory änderte ihren Nachnamen in Báthory-Nádasdy. Die Eheschließung soll Anlass für ihren Übertritt zum Luthertum gewesen sein.

Das Paar Báthory-Nádasdy wohnte auf Burg Čachtice (ungar. Cséjthe) zwischen Piestany und Neustadt an der Waag in der Gegend von Neutra(ungar. Nyitra, slowak. Nitra). Franz war oft außer Haus und kämpfte als Kommandant im königlichen Ungarn gegen die Osmanen. Er nahm an den Rückeroberungen von EsztergomVácSzékesfehérvárVisegrád und Győr teil, wurde zum Ritter geschlagen und erwarb sich durch sein hartes Vorgehen den Beinamen „Schwarzer Ritter“.

Elisabeth Báthory führte den Haushalt der Burg. Sie verwaltete das Erbe der Kanizsay und der Nádasdy für ihren Mann. Das Königreich Ungarn unter Herrschaft des Hauses Habsburg verschuldete sich zur Finanzierung des Krieges hoch bei den Nádasdy. 1585 gebar Báthory im Alter von 25 Jahren ihr erstes Kind, die Tochter Anna. Ein Gemälde von Báthory wurde im gleichen Jahr gemalt. 1586 bis 1594 bekam sie Ursula und Andreas, die beide als Kinder starben, und danach Katharina. Báthory war 38 Jahre alt, als 1598 der Sohn Paul – Haupterbe des Paares – geboren wurde.

Ihr Bruder Stephan, Erbe der Báthory von Ecsed, war kinderlos geblieben, so dass er Elisabeth Báthory 1600 in seinem Testament bedachte. 1601 erkrankte Franz in Pozsony (heute Bratislava).

1602 kam es zu Aktivitäten von Geistlichen gegen Franz und Elisabeth in Keresztúr.

Nach der Ehe 

Franz starb am 4. Januar 1604 an einer Krankheit, und Báthory erbte dessen gesamtes Vermögen. Nachdem sie 1605 auch ihren Bruder Stefan beerbt hatte, ballte sich große Macht in ihrer Hand. Sie besaß Lehen, Güter und Immobilien von Transsylvanien bis hinein nach Österreich, hauptsächlich aber in Nord-Ungarn, der heutigen SlowakeiBurg und Dorf Čachtice, Burg BeckovBurg und Stadt SárvárBurgLekaEcsed (heute im Kleingebiet Mátészalka), Kanizsa (Erbe der Kanizsay), Burg und Stadt IllavaLindvaWeingärten um Tokaj,SopronkereszturKapuvar (heute im Kleingebiet Kapuvár), Egervar (heute im Kleingebiet Zalaegerszeg), Nagycen, Burg FüzérBurg Devín (aus dem Erbe ihres Bruders Stephan) und Stadthäuser in WienSopronTrnava und Piestany. Viele der Burgen waren strategisch wichtig, insbesondere Devín an der Donau oberhalb von Pozsony (heute Bratislava). Am 27. März 1606 waren Heiducken des Aufständischen István Bocskay in Čachtice.

Báthory agierte als Familienoberhaupt, was damals für eine Frau ungewöhnlich war. 1604 verheiratete sie ihre Tochter Anna mit Miklós Zrinyi. Ihren Sohn und Erben Paul ließ sie durch Graf Emmerich Megyéry den Roten erziehen. Die Tochter Katharina verlobte sie mit Georg Drugethvon Homonna, die Hochzeit fand am 6. Januar 1610 auf Čachtice statt. Durch den Tod ihres Bruders Stephan war dieser als Erzieher des Großneffen ihrer Mutter Gabriel Báthory von Somlyó und seiner Schwester Anna ausgefallen. 1608 wurde Gabriel Báthory Wojewode vonTranssylvanien.

Der Prozess und seine Folgen 

Unbestrittene Fakten 

Graf Georg Thurzo von Bethlenfalva

Auf Befehl des Königs Mathias II. (ung. Mátyás) von Ungarn stürmte und durchsuchte Graf Georg Thurzo von Bethlenfalva, seit 1609 Palatinvon Ungarn und Vetter von Báthory, am 29. Dezember 1610 die Burg Čachtice. Báthory wurde wegen vielfachen Mordes an Dienerinnen 1611 unter Hausarrest gestellt. In Bitcse wurden zwei Prozesse abgehalten, einer in Ungarisch und einer in Latein. Da man Báthory selbst weder teil-, noch irgendwie dazu Stellung nehmen ließ, bestand der Prozess nur aus der Vernehmung von Mitangeklagten und Zeugen. Erstere waren diverse Diener(innen) der Gräfin:

  • Helena (ung. Ilona) Jó, die Amme von Báthorys Kindern,
  • Johannes (ung. János) Ujváry, genannt Ficzkó, ihr Hausmeister,
  • Katharina Beneczky, Witwe des Johann Boda, zehn Jahre lang als Wäscherin auf der Burg,
  • Dorothea (ung. Dorottya) Szentes, genannt Dorkó, Witwe des Benedict Scöcs, fünf Jahre Kammerzofe der Gräfin.

Die Aussagen dieser Mitangeklagten wurden laut den Prozessunterlagen einmal freiwillig, ein weiteres Mal unter der Folter erbracht. Anna Darvula galt ebenfalls als Täterin, war aber schon vor der Erstürmung der Burg gestorben.

Als Resultat des Prozesses wurden Dorothea und Helena die Finger abgerissen und beide dann lebendig verbrannt. Johannes wurde geköpft, seine Leiche auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Katharina wurde in Haft belassen und nicht verurteilt, da sie teilweise durch Zeugenaussagen entlastet wurde. König Matthias verlangte das Todesurteil gegen die Gräfin Báthory, Thurzo stimmte dem jedoch nicht zu. Báthory wurde in einem kleinen Zimmer auf ihrer Burg Čachtice eingemauert und hatte bis zu ihrem Lebensende nur durch ein kleines Loch in der Mauer Kontakt zur Außenwelt.

Ende Januar 1611 wurde Báthory von Georg Drugeth von Homonna, der Erbansprüche geltend machte, aufgesucht. Am 8. Oktober gab es ein Treffen der beiden Erben, bei dem die Aufteilung des Erbes diskutiert wurde. Am 31. Juli 1614 machte Báthory ihr Testament, das eine gleichmäßige Aufteilung ihres Eigentums unter ihre Kinder vorsah und Paul als Stammhalter einsetzte. Am 18. August verhandelten Paul und Homonna um das Erbe. Báthory starb am 21. August in ihrer Zelle und wurde am 25. November in der Kirche zu Čachtice beigesetzt. Am 13. August 1615 starb ihre Tochter Anna kinderlos und fiel als Erbin aus, so dass sich Paul und Homonna am 9. März 1616 auf die Aufteilung des Erbes einigten.

Interpretationen 

Báthory als grausame Serienmörderin 

Die Prozessunterlagen schildern, dass Báthory viele Mädchen auf ihre Burgen gelockt hat, um sie dort auf vielfache Weise nackt zu Tode zu foltern. Nach den Prozessakten hat Thurzo sofort nach Betreten der Burg Čachtice die ersten Mädchenleichen gefunden. Báthory und ihre Diener(innen) haben laut den Aussagen folgende Foltermethoden praktiziert: Fesselung, Schläge und Auspeitschung bis zum Tode, Schnitte mit der Schere, Stiche mit Nadeln, Verbrennungen mit heißem Eisen und Wasser, Übergießen mit Wasser im Frost, brennendes Ölpapier zwischen den Zehen, Ohrfeigen und Messerstiche.

Dorothea sagte aus, von 36 getöteten Mädchen zu wissen. Eine andere Zeugenaussage beinhaltet die Existenz eines Tagebuches der Báthory, in dem die Tötungen von 650 Mädchen beschrieben seien. Dieses Buch ist bis dato unpubliziert. Eine weitere Zeugin gab an, auf Schloss Sárvár seien ihres Wissens über 80 Mädchen getötet worden.

Michael Farin, der als Herausgeber der aktuellen deutschsprachigen Quellensammlung zu Báthory sowohl die zeitgenössischen Quellen als auch die Entstehung der späteren Báthory-Legende dokumentiert hat, hält die historische Báthory nicht für unschuldig,[1] ebenso György Pollák.[2]

Eine Variation dieser Auffassung besagt, dass Báthorys Verhalten lediglich exzessiver war als das anderer Hochadliger. Sie sei demzufolge nur angeklagt worden, weil sie sich nicht mit Bauernmädchen begnügte, sondern schließlich auch Mädchen aus dem niederen Adel Ungarns umbrachte, darunter die Sängerin Helene (ung. Ilona) Harczy, die sie in Wien kennengelernt hatte, wo sie auch zahlreiche Mädchen getötet hatte.

Báthory als Opfer einer politischen Intrige 

Die Thesen von Báthorys Schuld als Serienmörderin auf die Prozessakten zu stützen ist problematisch, da ihr Prozess nicht mit einer modernen Auffassung von Rechtsstaatlichkeitübereinstimmt: Báthory konnte sich nicht äußern und war nicht anwaltlich vertreten. Die Anklage stützte sich allein auf Aussagen ohne forensische Untersuchungen. Die Form derTodesurteile gegen diese Angeklagten ist ebenfalls frühneuzeitlich.

Die Auffassung von Báthorys Unschuld, erstmals vertreten von László Nagy 1984, sieht im Vorgehen gegen Báthory eine politische Intrige seitens des Hauses Habsburg.[3] Habsburger und Báthorys waren schon seit langem verfeindet. Der Konflikt der beiden Häuser begann 1571, als sich Stefan Báthory mit osmanischer Hilfe gegen den habsburgischen Kandidaten als Wojewode von Transsylvanien durchsetzte. Stefan setzte sich dann 1575 gegen Kaiser Maximilian II. als König von Polen durch. Die Habsburger waren katholisch und führten 1580 dieGegenreformation in Österreich ein. In Transsylvanien hingegen ließ der evangelische Wojewode Sigismund Báthory, ein Nachfolger von Stefan, 1588 die Jesuiten ausweisen und 1592 die Unitarier aus Polen immigrieren. 1597–1602 kam es zur Auseinandersetzung zwischen Sigismund Báthory und Rudolf von Habsburg um die Herrschaft über Transsylvanien, bei der der Habsburger sich durchsetzen konnte. Rudolfs Kommissar Georg Basta beschlagnahmte den Besitz diverser ungarischer Adliger und ging gegen die Evangelischen vor, so dass 1604 sogleich wieder der Aufstand des István Bocskay gegen ihn losbrach, der Transsylvanien wieder unabhängig von den Habsburgern werden ließ.

Somit konnte 1608 Gabriel Báthory Wojewode von Transsylvanien werden. Bei einem möglichen Feldzug von Gabriel Báthory gegen die mit König Matthias verbündete Walachei (oder wie schon 1605 quer durch Ungarn) hätte die evangelische Elisabeth Báthory ihrem Verwandten Bewaffnete aus ihren überall im Land verstreuten Burgen schicken können. Mit ihrer Festsetzung 1610 wurde das verhindert. Die Organisation eines Prozesses gegen sie mit zahlreichen gekauften Zeugen wäre einfacher gewesen als die zahlreichen Kriegsaktivitäten der Habsburger gegen die Báthorys. 1611 unternahm Melchior Khlesl, Kanzler des Matthias von Habsburg und aktiver Förderer der Gegenreformation, nach einem gescheiterten Mordversuch gegen Gabriel Báthory einen Feldzug gegen Transsylvanien. Nachdem 1613 Gabriel gestürzt und ermordet wurde, starb 1613 auch sein Amtsvorgänger Sigismund Báthory in Prag, so dass die Habsburger eine konkurrierende Dynastie erfolgreich ausgeschaltet hatten.

Tony Thorne, Direktor des Sprachenzentrums am King’s College der Universität von London, der alternative Subkulturen und Kulte in Gegenwart und Vergangenheit erforscht, reiste nach Osteuropa und diskutierte mit osteuropäischen Gelehrten, die kontroverse Standpunkte über die Schuld von Báthory vertraten: Katalin PeterAgnes R. VarkonyiPal RitookBorbala BendaZsuzsana Bozai und Tibor Lukacs in BudapestBeata Havelska von der Musik- und Theater-Akademie in BratislavaPavol StekauerStefan Franko von der Kunst-Fakultät derPavol-Jozef-Šafárik-Universität Košice, Slowakei, Jozef Kocis, Archivar im Schloss von BytčaIrma Szadeczky-Kardoss, Rechtsanwältin. Diese Gespräche fügte er in seine 1997 erschienene Dokumentation Countess Dracula, The life and times of the Blood Countess, Elisabeth Báthory, ein.

Thorne führt für die Unschuldsvermutung folgende Argumente an:

  1. Da ihr Gatte Nádasdy gestorben war, war Báthory schutzlos. Georg Thurzo hatte schon vor ihr hochadelige Witwen kaltgestellt, um sich in deren Besitz zu bringen, was Báthory in einem Brief an ihn erwähnte, in dem sie schrieb, sie werde nicht gleichermaßen ein leichtes Opfer sein.
  2. Bei der Behandlung von Dienerinnen niedrigen Standes durch Hochadelige war damals die Prügelstrafe allgemein üblich und wurde auch von Georg Thurzo selbst ausgeübt.
  3. Die medizinischen Verfahren der Zeit, die von hochadeligen Frauen an ihren Dienerinnen praktiziert wurden, waren ähnlich weit entwickelt wie die damalige Rechtsprechung.

Legendenbildung 

1721 behandelte der Jesuit László Turóczi in seinem vom Geist der Gegenreformation geprägten Werk „Ungaria suis cum regibus compendio data“[4] die Verurteilung von Báthory vom Standpunkt des Gerichts aus und ergänzte sie um einige Erfindungen: Báthory habe beim Foltern eines Mädchens einige Blutspritzer abbekommen und auf der befleckten Stelle eine deutliche Verjüngung ihrer Haut verspürt. Sie entschloss sich daher, Mädchen zu töten und in deren Blut zu baden, um ihre Haut jugendlich und attraktiv zu erhalten. Helena und Dorothea seien Hexen gewesen. Turóczi gab auch erstmals als Ursache des Falls Báthorys Übertritt zum Luthertum an.

angebliche Eiserne Jungfrau der Báthory (Bermann 1868)

Turóczis ist die älteste Schrift über Báthory nach den Originalakten. Seine Behauptungen wurden von späteren Autoren wiederholt, z. B. 1742 von Matthias Bel,[5] und oft noch ausgebaut. Die Publikation der Prozeßakten 1817[6] hatte keinen Abbruch der Legendenbildung zur Folge. Ein neues Erzählelement war z. B. eine Eiserne Jungfrau in Báthorys Folterkammer. Die reale Báthory geriet in Vergessenheit.

Neben pseudohistorische Schilderungen traten rein fiktive Werke ohne Wahrheitsanspruch, so schrieb Leopold von Sacher-Masoch von den Sagen um Báthory angeregt ein Werk.[7]

Insbesondere durch die Legende, Báthory habe im Blut der ermordeten Mädchen gebadet oder es getrunken, um sich selbst jung zu erhalten, bekam Báthory den Beinamen „Blutgräfin“. Ob Bram Stoker von der Bathory-Legende angeregt war, ist umstritten.[8] Eine Verbindung zwischen der Blutgräfin und bluttrinkenden Vampiren wurde erstmals 1970 hergestellt, um einen Film zu bewerben. Mittlerweile ist sie ein typisches Thema im Vampir-Genre.[9] In etlichen Werken, die von den Legenden um die „Blutgräfin“ handeln, wird der Name Báthory gar nicht mehr genannt.

 

Vlad III. Drăculea

 

 

 

Vlad III. (* um 1431 wahrscheinlich in Schäßburg (rumänisch Sighișoara); † Jahreswende 1476/1477[1] bei Bukarest) war 1448, 1456–1462 und 1476 Woiwode des Fürstentums Walachei. Gemäß der These, die unter Historikern die größte Akzeptanz gefunden hat, leitet sich sein Beiname – Drăculea (deutsch "Der Sohn des Drachen" von lateinisch draco - "Drache") – von der Mitgliedschaft seines Vaters Vlad II. Draculim Drachenorden des Sigismund von Luxemburg ab.

Der Drache wurde auch im Woiwodensiegel geführt.[2][3] Dieser Beiname wurde oft falsch als "Sohn des Teufels" übersetzt, da das rumänische Wort drac Teufel bedeutet.

Seine historische Bekanntheit erlangte Vlad III. zum einen durch seinen Widerstand gegen das Osmanische Reich und dessen Expansion auf dem Balkan, und zum anderen wegen seiner Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung, weswegen ihm posthum ein weiterer Beiname – Țepeș[ˈtsepeʃ] (deutsch Der Pfähler) – gegeben wurde.

Die ursprünglich politisch motivierten Geschichten und Mythen über vermeintliche Gräueltaten des Woiwoden fanden während des 15. und 16. Jahrhunderts besonders im deutschen und russischen Raum weite Verbreitung. Bei der Schaffung der Romanfigur Dracula soll Bram Stokerdurch Vlad III. inspiriert worden sein.

 

 

Leben

Insignien des Drachenordens
Porträt Sultan Mehmeds II. von Gentile Bellini

Es gibt Hinweise, dass Vlad III. im transsilvanischen Sighișoara des damaligen Königreichs Ungarn[5] um das Jahr 1431 als zweiter Sohn des Vlad II. Dracul und der Prinzessin Cneajna aus dem Fürstentum Moldau geboren wurde. Er hatte zwei Brüder, Mircea II. und Radu cel Frumos(deutsch Radu der Schöne).

Die Bojaren der Walachei unterstützten das Osmanische Reich und setzten in der Folge Vlad II. als Woiwoden des Fürstentums ab, welcher darauf mit seiner Familie in seinem Siebenbürgischen Exil lebte. Im Jahr der Geburt Vlads III. hielt sich sein Vater in Nürnberg auf, wo dieser in den Drachenorden aufgenommen wurde. Im Alter von fünf Jahren soll auch Vlad III. in den Orden eingeführt worden sein.[6]

Geisel des Osmanischen Reiches 

Sowohl das Königreich Ungarn als auch der osmanische Sultan Murad II. übten beträchtlichem Druck auf Vlad II. aus. Seit den 1430er Jahren waren die Grenzregionen des Königreichs Ungarn und der halbautonomen Walachei von türkischer Invasion bedroht. Vlad Dracul unterwarf sich schließlich dem Sultan als Vasall und überließ ihm seine beiden jüngeren Söhne Vlad und Radu als Faustpfand, die unter anderem in der Festung Egrigöz festgehalten wurden.

Die Jahre als türkische Geisel formten die Persönlichkeit Vlads III., so soll er während der Geiselhaft des Öfteren wegen seines dickköpfigen und störrischen Verhaltens ausgepeitscht worden sein und eine starke Abneigung gegen seinen Halbbruder Radu und den späteren SultanMehmed II. entwickelt haben. Auch dürfte fortan das Verhältnis zu seinem Vater gestört gewesen sein, da dieser ihn als Faustpfand benutzt und durch sein Handeln den Eid auf den Drachenorden gebrochen hatte, der ihn verpflichtete Widerstand gegen die Türken zu leisten.

Kurze Herrschaft, Exil, und erneute Machtübernahme 

Im Dezember 1447 verübten rebellierende Bojaren in den Sümpfen in der Nähe von Bălteni ein tödliches Attentat auf Vlad II.. Hinter dem Attentat stand angeblich der ungarische Regent Johann Hunyadi (Reichsverweser von 1446 bis 1453). Vlads III. älterer Bruder Mircea wurde zuvor von seinen politischen Widersachern in Târgoviște mit glühenden Eisenstangen geblendet und darauf lebendig begraben. Die Türken marschierten zur Sicherung ihrer politischen Macht in die Walachei ein, stürzten Vladislav II. aus dem Dănești-Clan, und setzten Vlad III. als Führer einer Marionettenregierung auf den Thron. Seine Herrschaft war nur kurz, da Johann Hunyadi in die Walachei einmarschierte und Vlad III. im selben Jahr absetzte. Dieser floh in das Fürstentum Moldau und verblieb dort bis zum Oktober 1451 unter dem Schutz seines OnkelsBogdan II..

Petru Aron verübte 1451 ein tödliches Attentat auf Bogdan II. und folgte ihm als Petru III. auf dem Thron des Fürstentums Moldau. Vlad III. wagte die riskante Flucht nach Ungarn, wo Johann Hunyadi sich von Vlads detaillierten Kenntnissen über die türkische Mentalität und die Strukturen innerhalb des Osmanischen Reiches sowie seinem Hass auf den neuen Sultan Mehmed II. beeindruckt zeigte. Vlad wurde begnadigt und zum Berater Hunyadis erhoben, und entwickelte sich mit der Zeit zum von Ungarn bevorzugten Aspiranten auf den walachischen Thron. 1456 zog Hunyadi gegen die Türken in Serbien, und gleichzeitig marschierte Vlad III. mit eigenen Truppen in die Walachei ein. Beide Feldzüge waren erfolgreich, allerdings verstarb Hunyadi an der Pest. Vlad herrschte nun zum zweiten Mal in seinem Heimatland.

Hauptregierungszeit (1456–1462) 

Nach 1456 verbrachte Vlad die meiste Zeit am Hof von Târgoviște, gelegentlich auch in anderen Städten wie Bukarest. Dort beschäftigte er sich mit Gesetzesvorlagen, empfing ausländische Gesandte, oder saß gerichtlichen Verfahren vor. An Feiertagen und bei Volksfesten hatte er öffentliche Auftritte, und unternahm Ausflüge in die ausgedehnten prinzlichen Jagdgründe. Er nahm einige bauliche Veränderungen an dem Palast in Târgoviște vor, von denen der Chindia Turm heute noch zeugt. Er verstärkte einige Burgen, wie beispielsweise dieBurg Poenari, in deren Nähe er auch eine Privatresidenz bauen ließ.

In den frühen Jahren seiner Herrschaft eliminierte Vlad zur Festigung seiner Macht rivalisierende bojarische Adelige oder beschränkte ihren wirtschaftlichen Einfluss. Die sich traditionell in der Hand führender Bojaren befindlichen Schlüsselpositionen der Ratsversammlung wurden meist durch unbedeutende oder ausländische Getreue Vlads besetzt. Auch weniger bedeutsame Positionen blieben den alteingesessenen Bojaren nun verwehrt und mit zu Rittern geschlagenen freien Bauern besetzt. 1459 ließ Vlad abtrünnige bojarische Adlige und Kleriker festsetzen; die älteren wurden gepfählt und ihr Hab und Gut im Volk verteilt, die übrigen wurden gezwungen ca. 80 km nach Poienari zu marschieren um die am Fluss Argeșgelegene Burg Poenari neu zu errichten.

Der walachische Adel hatte gute politische und wirtschaftliche Beziehungen zu den Städten der autonomen Region Siebenbürgen und den dort lebenden Siebenbürger Sachsenunterhalten. Weiterhin hatte sich Vlad in einem 1456 mit dem ungarischen König Ladislaus Postumus geschlossenen Vertrag zu Tributzahlungen verpflichtet, wofür ihm im Gegenzug die Unterstützung der sächsischen Siedler im Kampf gegen die Türken zugesichert wurde. Vlad verweigerte diesen Tribut wegen angeblich nicht erfüllter Pflichten, und in der Folge erhoben sich die von Ungarn unterstützten siebenbürgischen Städte. Vlad widerrief ihre Handelsprivilegien und führte Überfälle auf die Städte durch, während der er 1459 zahlreiche Händler aus Kronstadt (heute Brașov) pfählen und etwa 300 von ihnen verbrennen ließ.[7]

Nach der 1436 endenden Herrschaft von Alexandru I. Aldea hatte sich die Linie der Familie Basarab in die Dănești und die Drăculești geteilt, die beide Anspruch auf den Thron erhoben. Einige der Überfälle Vlads auf Siebenbürgen dienten der Ergreifung von Thronaspiranten aus der Dănești-Familie. Mehrfach starben Dănești durch Vlads eigene Hand, so auch sein Vorgänger Vladislav II. kurz nach der Machtübernahme von 1456. Ein anderer Dănești wurde der Teilnahme an der Lebendbegrabung von Vlads Bruders Mircea bezichtigt und soll vor seiner Exekution gezwungen worden sein, kniend vor seinem eigenen Grab seinen eigenen Nekrolog zu halten. Tausende von Siebenbürgern sollen als Strafe für das Gewähren von Unterschlupf für Gegner Vlads gepfählt worden sein.

Nach dem Tod von Vlads Großvater Mircea cel Bătrân (deutsch Mircea der Ältere) 1418 herrschten in der Walachei zeitweise „anarchische“ Zustände. Der andauernde Kriegszustand hatte zu steigender Kriminalität, fallender landwirtschaftlicher Produktion und starker Beeinträchtigung des Handels geführt. Vlad setzte zur Wiederherstellung der Ordnung auf harte Maßnahmen, da in seinen Augen nur ein ökonomisch stabiles Land eine Aussicht auf Erfolg gegen seine außenpolitischen Feinde hatte.[8]

Vlad hatte während seiner Zeit als türkische Geisel das Pfählen kennengelernt, was auch in Europa zur Hinrichtung von Feinden und Kriminellen bekannt war. Vor den Städten verwesten oft die toten Körper auf ihren Pfählen als Abschreckung gegen Diebe, Lügner und Mörder. Walachischen Überlieferungen zufolge sollen Verbrechen und Korruption durch Vlads Strenge schon bald nach seinem Regierungsantritt weitgehend verschwunden sein, und Handel und Kultur wieder floriert haben. Viele Untertanen verehrten Vlad für sein unerbittliches Beharren auf Recht, Ehrlichkeit und Ordnung. Er war auch als großzügiger Förderer von Kirchen und Klöstern bekannt, wie zum Beispiel im Fall des Klosters Snagov, wo er vermutlich auch begraben wurde.

Vlads „Kreuzzug“ 

Vorgeschichte 

Vlad III. Drăculea empfängt türkische Gesandte
Phantasievolles Historiengemälde vonTheodor Aman (1831–1891)

Nach dem Fall Konstantinopels 1453 fasste Sultan Mehmed II. weitere Feldzüge ins Auge. Das griechische Kaiserreich Trapezunt in Anatolienwiderstand noch immer dem Osmanischen Reich, und im Osten bedrohte Uzun Hasan, Herrscher des turkmenischen Reichs der Weißen Hammel zusammen mit anderen kleineren Staaten die Hohe Pforte. Im Westen herrschte unter Fürst Skanderbeg Unruhe in Albanien, undBosnien zahlte die geforderten Tribute zeitweise nur zögerlich. Die Walachei kontrollierte ihre Seite der Donau. Für Mehmed war der Fluss von strategischer Wichtigkeit, da die Gegenseite über ihn Truppen aus dem Heiligen Römischen Reich einschiffen konnte.

Am 14. Januar 1460 rief Papst Pius II. einen erneuten Kreuzzug gegen die Osmanen aus, der drei Jahre dauern sollte. Jedoch konnte nur Vlad als einziger europäischer Führer für diesen Plan begeistert werden.[9] Mehmed nutzte die abendländische Unentschlossenheit zur Offensive und nahm mit Smederevo die letzte unabhängige serbische Stadt ein. 1461 bewegte er das griechische Despotat Morea und bald darauf auch die Hauptstadt Mistra sowie Korinth zur kampflosen Aufgabe.[9] Vlads einziger Verbündeter Mihály Szilágyi, ein Schwager Hunyadis, geriet 1460 in Bulgarien in türkische Gefangenschaft; seine Gefolgschaft wurde zu Tode gefoltert. Vlad ging 1460 erneut ein Bündnis mit dem neuen ungarischen König Matthias Corvinus ein.[9]

Gesandte Mehmeds verlangten die Begleichung der seit 1459 ausstehenden Tribute in Höhe von 10.000 Dukaten und eine Knabenlese von 500 Jungen, die zu Janitscharen ausgebildet werden sollten. Anstatt der Forderung nachzukommen liess Vlad die Gesandschaft umbringen. Weitere Türken wurden auf walachischem Territorium nach der Überquerung der Donau aufgegriffen und gepfählt. Mit einem Brief vom 10. September 1460 warnte er die Siebenbürger Sachsen in Kronstadt vor Mehmeds Invasionsplänen und warb um deren Unterstützung.[9]

1461 lud Mehmed den Prinzen zu Verhandlungen über den andauernden Konflikt nach Konstantinopel ein. Ende November 1461 schrieb Vlad an Mehmed, dass in seiner Abwesenheit von Ungarn die Gefahr eines militärischen Schlages gegen die Walachei ausgehen würde, weswegen er sein Land nicht verlassen könne, und dass er den Tribut wegen der Kosten des Krieges gegen Siebenbürgen vorerst nicht aufbringen könne. Er versprach Zahlungen in Gold und stellte zu gegebener Zeit einen Besuch in Konstantinopel in Aussicht. Der Sultan sollte ihm für die Zeit seiner Abwesenheit einen Pasha als Stellvertreter zur Verfügung stellen.[9]

In der Zwischenzeit waren Details über Vlads Bündnis mit Ungarn zu Mehmed durchgesickert. Mehmed sandte Hamza Pascha von Nikopolis auf eine diplomatische Mission zu Vlad, allerdings mit dem Befehl, Vlad dabei zu ergreifen und nach Konstantinopel zu bringen.[9] Vlad erhielt von diesen Plänen frühzeitig Kenntnis. Der von einer 1.000 Mann starkenKavallerieeinheit begleitete Hamza musste zur Anreise durch eine enge Schlucht bei Giurgiu ziehen, in der Vlad zu einem Überraschungsangriff aus dem Hinterhalt ansetzte. Die Walachen vernichteten die türkische Streitmacht, wobei sie angeblich auch Handrohre zum Einsatz brachten. Vlad soll auf diese Weise als erster europäische Kreuzfahrer „auf tödliche und artistische Art und Weise“ Schwarzpulver zum Einsatz gebracht haben.[10] Nach diesem Angriff rückten Vlad und seine Kavalleristen in türkischer Verkleidung bis zur Festung bei Giurgiu vor, wo Vlad den Wächtern in türkischer Sprache befahl, die Tore zu öffnen. Durch diese List gelangten Vlads Truppen in das Innere der Festung, die bei den folgenden Kampfhandlungen zerstört wurde.[9]

In seinem nächsten Schritt überquerte Vlad mit seiner Armee die gefrorene Donau und fiel in Bulgarien ein. Hier teilte Vlad seine Armee in mehrere kleinere Einheiten und verwüstete innerhalb von zwei Wochen große Teile des Gebietes zwischen Serbien und dem Schwarzen Meer, wodurch die Versorgung der osmanischen Armee erschwert werden sollte.[11] Vlad informierte den ungarischen König Matthias Corvinus in einem detaillierten Brief vom 11. Februar 1462 darüber, dass von seinen Truppen während des Feldzuges 23.883 Türken und muslimische Bulgaren getötet worden seien, nicht eingerechnet jene, die in ihren Häusern verbrannt seien. Bulgarische Christen seien hingegen verschont worden; viele von ihnen hätten sich darauf in der Walachei angesiedelt. Angesichts dieses „Erfolges“ forderte Vlad den ungarischen König auf, nun mit seinen Truppen zu ihm zu stoßen, um gemeinsam die Türken zu bekämpfen.[9]

Mehmed erfuhr von Vlads Feldzug während seiner Belagerung von Korinth und detachierte daraufhin eine 18.000 Mann starke Armee unter dem Kommando seines Großwesirs Mahmud zum walachischen Hafen Brăila, mit dem Auftrag diesen zu zerstören. Vlads Armee griff die türkischen Truppen an und dezimierte sie bis auf 8.000 Mann.[9] Diese militärischen Erfolge Vlads wurden von den Siebenbürger Sachsen, den italienischen Staaten und dem Papst gleichermaßen freudig aufgenommen.[12] Mehmed brach nach diesem weiteren Misserfolg seiner Truppen nun die Belagerung vor Korinth ab, um Vlad selbst zu stellen.

Kriegsvorbereitungen 

Türkische Seite 

Sultan Mehmed schickte Gesandte in alle Himmelsrichtungen aus, um eine Armee zusammenzustellen, die ähnlich groß und schwer bewaffnet war wie diejenige, die er bei der Belagerung von Konstantinopel eingesetzt hatte.[13] Schätzungen schwanken je nach Quelle zwischen 90.000,[9] 150.000,[12] 250.000,[9] 300.000,[9] und 400.000 Mann.[14] 1462 setzte sich Mehmed mit dieser Armee von Konstantinopel in Richtung Walachei in Bewegung, mit dem Ziel, diese für das Osmanische Reich zu annektieren.[9] Vlads Halbbruder Radu erwies sich als willfähriger Diener des Sultans und kommandierte 4.000 Reiter. Zusätzlich führten die Türken 120 KanonenIngenieure und Arbeiter zum Straßen- und Brückenbau, islamische Geistliche wie Ulemas und Muezzine sowie Astrologen mit sich, die an Entscheidungen beteiligt waren.[9] Der byzantinische Geschichtsschreiber Laonikos Chalko(ko)ndyles (auch: Chalco(co)ndyles) berichtete, dass den Donauschiffern 300.000 Goldstücke für den Transport der Armee gezahlt wurden. Zusätzlich benutzten die Osmanen eine eigene Flotte von 25Triremen und 150 kleineren Schiffen zum Transport der Armee, ihrer Ausrüstung und Verpflegung.[13]

Walachische Seite

Vlad forderte die Unterstützung des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Im Gegenzug bot er an, vom orthodoxen zum katholischen Glauben zu konvertieren. Als Antwort erhielt er allerdings nur vage Versprechungen und sah sich zu einer Generalmobilmachung genötigt, die nicht nur Männer im wehrfähigen Alter umfasste, sondern auch Frauen, Kinder ab 12 Jahren sowie ein aus Roma bestehendes Sklavenaufgebot.[9] Verschiedene Quellen nennen für seine Streitkraft eine Zahlenstärke zwischen 22.000 und 30.900 Mann.[9] Einem Brief vonLeonardo III. Tocco, Fürst des Despotats Epirus von 1448 bis 1479 zufolge, war die türkische Armee 400.000, und die walachische Armee 200.000 Mann stark. Diese Angabe scheint allerdings überhöht.[14] Vlads Armee bestand mehrheitlich aus Bauern und Hirten, und nur wenigen Reitern, die mit LanzenSchwerternDolchen, und Kettenhemden ausgerüstet waren. Vlads persönliche Garde bestand aus Söldnern verschiedenster Herkunft und einigen Zigeunern. Vor den Auseinandersetzungen soll Vlad seinen Männern in einer Ansprache gesagt haben, dass „wer an den Tod denkt, ihm besser nicht folgen solle“.[9]

Kampfhandlungen 

Die Türken versuchten zuerst, in Widin auszuschiffen, wurden aber durch auf sie einhagelnde Pfeile zurückgedrängt. In der Nacht des 4. Juni gelang es den Türken aber ein großes Kontingent der Janitscharen bei Turnu Severin auf der walachischen Seite der Donau anzulanden. Der in Serbien geborene Janitschare Konstantin aus Ostrovitza beschreibt die nun folgenden Ereignisse in seinen Memoiren eines Janitscharen:

„Als die Nacht angebrochen war, setzten wir uns in die [80 vorbereiteten] Schiffe und ließen uns schnell flußabwärts treiben, so daß weder Ruderschlag noch Menschenstimme zu hören war. Wir erreichten das andere Ufer etwa 100 Schritt unterhalb der Stelle, wo ihr Heer lag. Dort schlossen wir uns mit Graben und Wall ein, brachten die Geschütze in Stellung, umgaben uns ringsum mit Schilden und pflanzten Spieße um uns herum auf, damit uns die [feindliche] Reiterei nichts anhaben konnte. Danach fuhren die Schiffe wieder auf die andere Seite und setzten alle Janitscharen zu uns über.
Wir stellten uns in Schlachtordnung auf und rückten langsam … gegen das feindliche Heer vor. Als wir auf ziemliche Nähe herangekommen waren, hielten wir an und stellten die Geschütze auf. Aber bis es dazu kam, hatten sie uns schon 250 Janitscharen mit ihren Geschützen getötet. […] Als wir sahen, daß so viele von uns umkamen, machten wir uns schnell (schuß)bereit, und da wir 120 Haubitzen hatten, gaben wir sogleich mehrmals Feuer, und es gelang uns, [ihr ganzes Heer vom Platze zu treiben].[15] […] Da setzte der Sultan selbst mit seiner ganzen Streitmacht zu uns über und gab uns 30.000 Goldstücke, die wir unter uns verteilten.[16]

Vlad, der das Übersetzen des osmanischen Heeres nicht hatte verhindern können, zog sich nun ins Landesinnere zurück, wobei er nur verbrannte Erde hinterließ. Um die ihn verfolgende osmanische Armee zu behindern, ließ Vlad mit Hölzern und Gestrüpp abgedeckte Fallgruben ausheben und Gewässer vergiften, kleinere Flüsse umleiten und auf diese Weise weite Landstriche in Sümpfe verwandeln. Die Bevölkerung wurde samt der Viehherden in die Berge evakuiert, sodass Mehmed sieben Tage lang vorwärts zog ohne Mensch oder Tier anzutreffen oder Proviant aufnehmen zu können, was für eine erhebliche Ermattung und Demoralisierung seiner Armee sorgte.[9]

Während dieser Zeit beunruhigten Vlad und seine Kavallerie die vordringenden Türken aber durch permanente, meist überfallartig aus Hinterhalten durchgeführte Attacken. Der Woiwode schickte den Quellen zufolge auch Lepra-, Tuberkulose- und Pestkranke ins Feldlager der Türken, damit sie sich mit diesen Krankheiten infizierten. Die Pest breitete sich tatsächlich in der osmanischen Armee aus. Die türkische Flotte führte einige kleinere Attacken auf Brăila und Chilia durch, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten zu können, da Vlad die meisten bedeutenden Häfen in Bulgarien schon selbst zerstört hatte. Chalcondyles schrieb, dass der Sultan einem gefangenen walachischen Soldaten Geld für Informationen angeboten hatte, welche dieser auch nach Androhung von Folter nicht preisgeben wollte. Mehmed lobte den Soldaten und stellte fest: „Wenn Dein Herr mehr Soldaten wie Dich hätte, könnte er in kurzer Zeit die Welt erobern!“[9] Die Türken setzten ihren Vormarsch bis Târgoviște fort, wobei es ihnen nicht gelang die Festung Bukarest und die befestigte Insel Snagov einzunehmen.

Vlads nächtlicher Angriff auf das türkische Hauptlager;
Gemälde von Theodor Aman, 19. Jahrhundert

Am 17. Juni führte Vlad mit 24.000 (andere Quellen sprechen von 7.000 bis 10.000) Reitern seiner Truppen einen nächtlichen Angriff auf das türkische Lager südlich von Bukarest durch. Chalcondyles berichtet, dass sich Vlad vor der Schlacht als Türke verkleidet Zugang zum feindlichen Lager verschafft hatte und so die Lage sowie das Zelt des Sultans ausspähen konnte.[12][14] Nicolaus Machinensis, Bischof vonModruš und päpstlicher Gesandter am ungarischen Königshof, beschrieb die Ereignisse wie folgt:

„Der Sultan belagerte Vlad am Fuße eines Hügels, der den Walachen aufgrund ihrer Position auf dem Hügel zum Vorteil gereichte. Țepeș hatte sich mit seinen 24.000 willig folgenden Truppen dort verschanzt. Als Țepeș erkannte, dass er entweder an Hunger verenden oder in die Hände eines grausamen Feindes fallen würde und dass beide Umstände für einen Krieger unwürdig waren, rief er seine Männer zusammen und erklärte ihnen die Situation und konnte diese so leicht dazu bewegen, das feindliche Lager anzugreifen. Er teilte seine Truppen in Gruppen auf, in denen sie entweder auf dem Schlachtfeld mit Ruhm und Ehre sterben würden oder aber, sollte die Fügung ihnen gewogen sein, sich an den Feinden auf vorzügliche Art und Weise rächen würden.[9]

„Er benutzte einige türkische Gefangene, die unkluger Weise in der Dämmerung umherspaziert waren und dabei ergriffen wurden, um bei Einbruch der Nacht mit einem Teil seiner Truppen in das osmanische Lager einzudringen. Während dieser Nacht eilte er blitzschnell in alle Richtungen und metzelte seine Feinde hernieder. Wäre der andere walachische Kommandant, dem die verbleibenden Truppen anvertraut waren, ähnlich unerschrocken gewesen oder hätten die Türken nicht die wiederholten Befehle des Sultans, ihre Posten nicht zu verlassen, auf das vollste befolgt, dann hätte der Walache unzweifelhaft den großartigsten und höchst glanzvollsten Sieg davongetragen.[9]

„Aber der andere Kommandant (ein Bojare namens Galeș) wagte es nicht, wie vereinbart das Lager von der anderen Seite aus anzugreifen. Țepeș richtete ein unglaubliches Massaker an, ohne dabei viele seiner Männer in dieser bedeutenden Begegnung zu verlieren, jedoch wurden viele verwundet. Er verließ das feindliche Lager vor Tagesanbruch und kehrte auf den Hügel zurück, von dem er gekommen war. Niemand wagte es, ihn zu verfolgen, da er einen solchen Aufruhr und Terror verbreitet hatte. Ich erfuhr durch Befragung derjenigen, die an der Schlacht teilgenommen hatten, dass der Sultan jegliche Zuversicht in die Situation verloren hatte. In dieser Nacht hatte er das Lager aufgegeben und war schändlich von dort geflohen. Er wäre auch noch weiter fortgelaufen, wäre er nicht von seinen Freunden gemaßregelt und zurückgebracht worden, fast gegen seinen Willen.[9]

Die Angriff begann drei Stunden nach Sonnenuntergang und dauerte bis vier Uhr am nächsten Morgen.[9] Im türkischen Lager hatte der Angriff für große Verwirrung gesorgt. Hornisten sollen zum Angriff geblasen haben, das Schlachtfeld sei von Fackeln erleuchtet gewesen, und die Walachen sollen mehrere Angriffe hintereinander gestartet haben.[14] Über den Erfolg dieses Angriffs sind die Quellen uneins, die einen sprechen von großen, andere nur von geringen türkischen Verlusten. Durch die walachische Attacke verlor die osmanische Armee allerdings viele Pferde und Kamele. Einige Chroniken machen den Bojaren Galeș für das Scheitern der walachischen Operation verantwortlich. Dieser hatte mit einer zweiten Armee einen zeitgleichen Angriff angeführt, soll jedoch „nicht mutig genug“ gewesen sein um „die erwartete Verheerung unter den Feinden“ herbeizuführen.[9][13] Vlad selbst wandte sich mit Teilen seiner Kavallerie in Richtung des Zelts, in dem der Sultan vermutet wurde. Es stellte sich allerdings heraus, dass es das Zelt der Großwesire Ishak Pasha und Mahmud Pasha war. Die Janitscharen unter dem Kommando von Mihaloğlu Ali Bey verfolgten schließlich die abziehenden Walachen und töteten 1.000 bis 2.000 von ihnen. Der Schilderung des ChronistenDomenico Balbi zufolge betrugen die Verluste auf der walachischen Seite insgesamt 5.000 Mann, und 15.000 Mann auf der osmanischen Seite.[9]

Trotz der geringen Kampfmoral unter den Türken entschloss sich Mehmed, die Hauptstadt zu belagern. Allerdings fand er bei der Ankunft die Stadt verlassen vor. Chronisten zufolge fanden die Türken einem „wahren Wald mit Gepfählten“ vor. Eine halbe Stunde lang soll die osmanische Armee an etwa 20.000 gepfählten türkischen Gefangenen und bulgarischen Muslimen vorbeigezogen sein. Unter diesen befand sich auch der verwesende Leichnam von Hamza Pascha, der auf dem am höchsten stehenden Holzpflock gepfählt worden war, was seine ranghohe Stellung symbolisieren sollte.[13][9] Andere Quellen wiederum berichten, dass die Stadt von Soldaten verteidigt wurde und dass gepfählte Körper außerhalb der Stadtmauern in einem Umkreis von 60 Meilen verstreut lagen.[9] Chalcondyles schrieb über die Reaktion des Sultans:

„Der Imperator war so überwältigt von dem Bild, welches sich ihm bot, und stellte fest, dass er dieses Land nicht von dem Mann nehmen könne, der solche Dinge bewerkstelligen und die Herrschaft über seine Untertanen derart ausschöpfen konnte. Ein Mann, der dieses bewerkstelligt hatte, sei sicherlich zu Größerem berufen.[9]

Mehmed befahl das Ausheben eines tiefen Grabens um das türkische Lager, um ein Eindringen der Walachen zu verhindern. Am folgenden Tag, dem 22. Juni, begannen die Türken mit dem Rückzug.[9] Am 29. Juni erreichten die osmanischen Truppen die Stadt Brăila und brannten diese nieder. Danach verließen sie das Land mit ihren Schiffen Richtung Adrianopel, wo sie am 11. Juli eintrafen. Einen Tag später wurden Feierlichkeiten zum Anlass des großen Sieges über Vlad abgehalten. Die Türken hatten viele der Einwohner des Kriegsgebietes versklavt und diese zusammen mit 200.000 Rindern und Pferden Richtung Süden verbracht.[13]

Unterdessen hatte Vlads Cousin Ștefan cel Mare, der Herrscher des Fürstentums Moldau, versucht Akkerman und Chilia einzunehmen. Im Zuge seines Angriffs auf Chilia eilten jedoch 7.000 Walachen zur erfolgreichen Verteidigung der Stadt herbei, wobei Ștefan cel Mare durch Artilleriefeuer am Fuß verwundet wurde.[13]

Folgen 

Trotz seiner militärischen Erfolge hatte sich Vlad mehr und mehr vom walachischen Adel entfremdet. Die Adeligen schlugen sich letztendlich auf die Seite von Vlads Halbbruder Radu, der zum Islam konvertiert war und die Walachen von den Vorteilen der Unterwerfung und Tributzahlungen überzeugen konnte. Im August 1462 wurden zwischen Radu und der ungarischen Krone Vereinbarungen über einen Machtwechsel in der Walachei getroffen. An der Spitze einer türkischen Armee zog Radu der wiedererrichteten Burg Poenari entgegen. Vlad entkam nach Siebenbürgen und gelangte von dort zum ungarischen König Matthias Corvinus. Dieser ließ Vlad nun für zwölf Jahre in der Festung Visegrád inhaftieren, weil Vlad angeblich den Sultan in einem Brief um Vergebung und um eine Allianz gegen Ungarn gebeten habe. Es erscheint wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Brief um eine Fälschung handelte. Möglicherweise wollte sich Matthias auf diese Weise seines lästigen Konkurrenten Vlad entledigen, der ihm die führende Rolle als Kämpfer gegen die Türken streitig zu machen drohte. Schon 1474 wurde Vlad wieder aus der Haft entlassen, mit einer Cousine von Matthias verheiratet − vermutlich nachdem Vlad zum Katholizismus konvertiert war. Vlad erhielt sogar ein militärisches Kommando und führte eine ungarische Armee zur Einnahme von bosnischen Ortschaften und Festungen. 8.000 Muslime sollen dabei gepfählt worden sein.

Ștefan cel Mare hatte inzwischen Chilia und Akkerman eingenommen und sich in der Schlacht von Vaslui erfolgreich gegen die Türken verteidigt. Die beiden Cousins verbündeten sich und eroberten 1476 zusammen mit ungarischen Truppen binnen weniger Wochen die Walachei. Im November wurde Vlad III. erneut und zum letzten Mal als Fürst der Walachei ausgerufen. Kurz nach dem Abzug der ungarischen und moldauischen Truppen wurde Vlad im Dezember 1476 gestürzt und musste zusammen mit seiner 200 Mann starken moldauischen Leibgarde flüchten. Ende 1476 oder Anfang 1477 fiel er entweder in einem Gefecht oder wurde auf der Flucht ermordet. Sein Kopf soll, in Honig eingelegt, dem Sultan als Geschenk nach Konstantinopel gebracht und dort auf einer Stange aufgespießt zur Schau gestellt worden sein. Sein Leichnam soll im Kloster von Snagov beigesetzt und von dort später an einen unbekannten Ort gebracht worden sein.

Vlads Bruder Radu war bereits 1475 verstorben. Nachfolger als Herrscher der Walachei wurde Basarab Laiotă cel Bătrân (deutsch Basarab Laiotă der Ältere).

Ehen und Nachkommen

Vlad war in erster Ehe mit einer transsylvanischen Adeligen verheiratet, deren Name nicht überliefert ist. Dieser Ehe entstammte der Sohn Mihnea I. cel Rău (deutsch Mihnea der Böse, * um 1462; † 1510 und von 1508 bis 1509 Herrscher des Fürstentums Walachei).[17]

In zweiter Ehe war Vlad mit Ilona Szilágyi, einer Cousine des ungarischen Königs Matthias Corvinus, verheiratet. Dieser Ehe entstammten ein Sohn namens

  • Vlad und
  • ein weiterer Sohn († um 1482), dessen Name nicht überliefert ist.[18]

Etymologie des Namens 

Der Name Drăculea (respektive Dracula) leitet sich gemäß einer These, die erstmals 1804 im vierten Band von Johann Christian Engels Geschichte des Ung[a]rischen Reichs und seiner Nebenländer formuliert wurde und auch heute noch von den meisten Historikern akzeptiert wird, vom Beinamen Dracul ab, den sein Vater Vlad II. nach seiner Aufnahme in den Drachenorden erhalten haben soll. Der Drache findet sich auch in den Insignien des Ordens, die er mit sich brachte. Dracul setzt sich aus drac für „Drache“ (griech./lat. drako/draco, altslawisch drak ) und dem rumänischen Suffix ul zusammen. Durch Hinzufügen der Genitivendung -a wird daraus „Draculs Sohn“. Nachdem der Drache in der christlich-abendländischen Kultur jedoch stets das Böse symbolisiert, das überwunden werden soll, gilt es als höchst unwahrscheinlich, dass Vlad II. sich selbst diesen Namen gegeben hat. Auch eine positiveKonnotation von dracul im Sinne von „Teufelskerl“, wie sie sich im Rumänischen durchaus nachweisen lässt, ist für das tief religiöse Spätmittelalter nicht anzunehmen.[19]

Eine weitere Deutungsmöglichkeit des Namens stützt sich auf die stimmhafte Schreibweise des slawisch-rumänischen Namens Dragul, der im heutigen Rumänien bereits vor der Gründung des Drachenordens nachweisbar ist. „Drag“ bedeutet in beiden Sprachen etwas, das lieb, kostbar oder edel ist. „Dragul meu“ beispielsweise ist aus dem Rumänischen mit „mein Liebling“ zu übersetzen, das kroatisch/serbisch/bosnische „dragulj“ bedeutet „Juwel“ oder „Edelstein“. Vlad Dragul hieße demnach „Vlad der Liebe/Edle“. Ein Beleg für diese Interpretation findet sich in einer ungarischen Quelle des Jahres 1549, in der der Name des „tapferen Fürsten Dragula“ als Diminutiv von „Drago“ gedeutet wurde und dafür die lateinische Übersetzung „Charulus“ (lat. carus = „lieb“) vorgeschlagen wurde. Auch Vlad III. hat in seinem letzten Lebensjahr Urkunden unter den Namen „Wladislaus Dragwlya“ und „Ladislaus Dragkulya“ unterzeichnet. Die Annahme, dass Vlad II. Dragul genannt wurde und dieser Name in Verbindung mit dem Emblem des Drachenordens volksetymologisch als „der Drache“ und in weiterer Folge auch als „der Teufel“ interpretiert wurde, ist somit sehr plausibel. Das stimmhafte g wäre demnach zum stimmlosen k mutiert und die einstmals wertfreie Variante des Namens quasi „verteufelt“ worden. Als Vlad III. bereits in ungarischer Gefangenschaft war, scheint sein Ruf bereits so schlecht gewesen zu sein, das ohnehin nur mehr der bösen Variante seines Namens Beachtung geschenkt wurde. Dementsprechend berichtet auch der byzantinische Chronist Dukas, dass der walachische Woiwode böse und heimtückisch sei, entsprechend seinem Namen „Dragulios“. Im deutschen Sprachraum tauchte die böse Namensvariante von Anfang an auf, hier wurde Vlad III. bereits in einer vor 1472 in Konstanzentstandenen Chronik als „tüffels sun“, also als „Sohn des Teufels“, bezeichnet.[19]

Legenden und Mythen 

Kulturelles Erbe 

Neben geschichtlich relevanten Quellen bieten mündliche Überlieferungen und Flugschriften mit Erzählungen eine weitere wichtige Quelle über das Leben Vlads III. Rumänische, deutsche, und russische Legenden haben allesamt ihren Ursprung im 15. Jahrhundert und bieten zusätzliche Informationen über Vlad III. und seine Beziehung zu seinen Untertanen.

Die mündlichen Überlieferungen wurden seit dem 15. Jahrhundert als Geschichten und Erzählungen von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Durch das fortlaufende Weitererzählen haben diese Geschichten durch subjektive Interpretation und individuelles Hinzudichten eine Eigendynamik entwickelt. Die als Flugschriften erschienenen Erzählungen wurden kurz nach Vlads Tod zuerst in Deutschland, danach in Russland publiziert; teils zur breiten Unterhaltung, teils zum Erreichen politischer Ziele, und waren von lokalen und hauptsächlich politischen Vorurteilen geprägt. Die Flugschriften wurden über eine Zeitspanne von ca. dreißig Jahren herausgegeben.

Viele der in den Flugschriften erschienen Geschichten lassen sich in den rumänischen mündlichen Überlieferungen wiederfinden. Trotz einer generell positiveren Darstellung seiner Person beschreibt auch die rumänische mündliche Überlieferung Vlad als außergewöhnlich grausam und als einen oft launenhaften Herrscher. Vlad Țepeș galt unter dem rumänischen Landvolk als ein gerechter Prinz, der seine Untertanen vor ausländischen Aggressoren wie den Türken oder vor deutschen Kaufleuten verteidigte, und als ein Verfechter des einfachen Mannes gegen die Unterdrückung der Bojaren. Vlad soll Bojaren zum Festmahl eingeladen haben und ihnen reichlich Wein angeboten haben. In Trunkenheit soll er ihnen gezielt ihre Meinung über ihn sowie Informationen über die Machenschaften und die Korruption der bekannten Bojaren entlockt haben. Daraufhin sollen diejenigen, die sich selbst belasteten, und diejenigen, die belastet wurden, gepfählt worden sein. Vlad Drăculea galt in seinem Land und gilt noch heute in Rumänien als gerechter Widersacher der Korruption.

Der generelle Ablauf der Geschichten ist sehr ähnlich, obwohl die unterschiedlichen Versionen in spezifischen Details voneinander abweichen. So soll Vlad gemäß einiger Geschichten Abgesandte aus Florenz in Târgoviște empfangen haben, in anderen Erzählungen sollen es türkische Abgesandte gewesen sein. McNally und Florescu[20] sprechen von verschiedenen Abgesandten zu unterschiedlichen Anlässen. Auch die Art und Weise ihrer Vergehen gegen den Prinzen sind von Version zu Version unterschiedlich. Allerdings stimmen alle Versionen in dem Punkt überein, dass Vlad wegen Ehrenkränkung und Beleidigung, real oder imaginär, die Kopfbedeckungen der Beschuldigten an deren Köpfe nageln ließ, wohl auch wegen deren Weigerungen, ihre Kopfbedeckungen im Beisein Vlads abzunehmen. Einige Erzählungen bewerten Vlads Handlungen als gerechtfertigt, andere bewerten sie als Verbrechen mit mutwilliger und sinnloser Grausamkeit.[21]

Gräueltaten 

Die Schilderungen über Vlad waren in Westeuropa wesentlich düsterer als in Osteuropa und Rumänien. Viele der deutschen Geschichten über ihn müssen allerdings zum Teil als politisch, religiös und ökonomisch inspirierte Propaganda verstanden werden. Obwohl einige der Geschichten einen Bezug zur Realität haben, sind jedoch die meisten reine Fiktion oder stark übertrieben dargestellt.

Im Westen wurde Vlad als Tyrann beschrieben, dem das Foltern und Töten seiner Feinde ein sadistisches Vergnügen bereitete. Er soll für den Tod von 40.000–100.000 Opfern verantwortlich sein.[22] Zahlen wie diese beruhen auf Angaben diverser Quellen, in denen alle angeblichen Opfer akribisch addiert wurden. So berichtet beispielsweise die Konstanzer Chronik von genau 92.268 Opfern, die Vlad zu verantworten habe.[23] Auch nach anderen Quellen müsse die Anzahl der Opfer mit mindestens 80.000 angegeben werden, wobei jene, die durch die Zerstörung und das Niederbrennen von ganzen Dörfern und Festungen umkamen, nicht mitgerechnet seien.[24] Diese Zahlen müssen allerdings als übertrieben betrachtet werden. In einer Episode wird die Pfählung von 600 Kaufleuten in Kronstadt und die Konfiszierung ihrer Güter beschrieben, in einem anderen Dokument seines Rivalen Dan III. 1459 ist von 41 Pfählungen die Rede. Es ist unwahrscheinlich, dass Vlads Gegner die Zahl der Opfer nach unten korrigiert hat.[25]

Die deutschen Erzählungen über Gräueltaten Vlads berichten von Pfählungen, FolterungFeuertodVerstümmelungenErtränkungenEnthäutungenRöstungen und Kochen der Opfer. Andere sollen gezwungen worden sein, das Fleisch ihrer Freunde oder Angehörigen zu essen, oder ihre Kopfbedeckungen an den Kopf genagelt bekommen haben. Seine Opfer waren Männer und Frauen allen Alters (einschließlich Kinder und Säuglinge), Religionen und sozialer Schichten. Eine deutsche Erzählung berichtet: „Er verursachte mehr Schmerz und Leid als sich selbst die bluthungrigsten Peiniger der Christenheit wie HerodesNeroDiocletian und alle anderen Heiden zusammen vorstellen konnten“.[24] Im Kontrast hierzu erwähnen die russischen und rumänischen Geschichten kaum oder keine sinnlose Gewalt oder Gräueltaten.

Der serbische Janitschar Konstantin Mihajlović aus Ostrovitza beschrieb in seinen Memoiren umfangreich, dass Vlad oftmals die Nasen gefangener türkischer Soldaten abschneiden ließ, die er dann an den ungarischen Hof sandte, um damit zu prahlen, wieviele Feinde er getötet hatte. Mihailović erwähnte außerdem die Furcht der Türken vor nächtlichen walachischen Attacken. Er wies auch auf den berüchtigten Wald aus Pfählen hin, der vorgeblich die Straßen mit tausenden von gepfählten Türken gesäumt haben soll. Mihailović war allerdings nicht Augenzeuge dieser Geschehnisse, da er sich im hinteren Teil der türkischen Armee befand; seine Ausführungen beruhten auf Berichten von Frontsoldaten.

Die Pfählung war demnach Vlads bevorzugte Art der Folter und Hinrichtung. Dabei gab es verschiedene Methoden, je nachdem, ob ein schneller oder langsamer Tod des Opfers erreicht werden sollte. Eine dieser Methoden war, je ein Pferd an die Beine des Opfers zu spannen und einen angespitzten Pfahl schrittweise durch den Anus oder die Vagina in dessen Körper zu treiben, bis er wieder aus dem Körper hervortrat. Die wesentlich grausamere Methode war, das Ende des Pfahles nicht zu spitz zu halten, zu ölen und dann aufzustellen. Während die Opfer sich nun durch ihr eigenes Körpergewicht immer mehr aufspießten, wurde durch den nicht spitzen und geölten Pfahl gleichzeitig verhindert, dass sie zu schnell durch Schock oder die Verletzung lebenswichtiger Organe starben. Dieser Tod am Pfahl war langsam und qualvoll und sein Eintreten dauerte manchmal Stunden oder Tage. Nach anderen Berichten wurden die Opfer auch durch den Unterleib oder die Brust gepfählt, was einen relativ schnellen Tod zur Folge hatte. Kinder sollen manchmal gepfählt und dabei durch die Brust ihrer Mutter gedrückt worden sein. In anderen Fällen wurden die Opfer auf dem Kopf stehend gepfählt.[26] Angeblich ließ Vlad häufig die Pfähle nach verschiedenen geometrischen Mustern anordnen. Das gängigste Muster soll demnach ein Ring aus konzentrischen Kreisen gewesen sein. Die Pfahlhöhe entsprach dem Rang des Opfers. Zur Abschreckung ließ man die Leichname oft für Monate an den Pfählen verwesen.[21]

Tausende von Widersachern sollen zeitgenössischen Berichten zufolge auch bei anderen Gelegenheiten gepfählt worden sein, so z. B. 10.000 Menschen in Hermannstadt (heute Sibiu) im Jahr 1460, und im August des vorherigen Jahres 30.000 Kaufleute und Offizielle der Stadt Kronstadt wegen subversiven Verhaltens gegenüber Vlad. Dieser Bericht ist in dem Kontext zu sehen, dass selbst große Städte des Heiligen Römischen Reiches zu Vlads Zeit selten mehr als 10.000 Einwohner hatten.[27]

Pfählungen – Darstellung aus derBrodoc-Chronik. Vlad III. Drăculea wohnt speisend einer Massenhinrichtung bei.

Ein Holzstich aus dieser Zeit zeigt Vlad bei einem Festmahl in einem Wald von Pfählen mit grausiger Last, während daneben ein Henker andere Opfer zerteilt.

Eine alte rumänische Geschichte beschreibt, dass Vlad einst eine goldene Schale auf dem Marktplatz von Târgoviște platziert hatte. Diese Schale durfte von jedem zum Stillen des Durstes benutzt werden, musste aber auf dem Marktplatz verbleiben. Am nächsten Tag soll er zurückgekehrt sein, um diese wieder aufzulesen. Niemand hatte es gewagt, die Schale zu berühren, die Furcht vor lebensbedrohender Bestrafung war zu groß.

Vlad Țepeș soll noch weitere Pfählungen und Folterungen an den vordringenden türkischen militärischen Verbänden verübt haben. Es wurde berichtet, dass die osmanische Armee beim Anblick von mehreren Tausend gepfählter und verwesender Leichname an den Ufern der Donau vor Schreck zurückwich. Weitere Berichte besagen, dass der für seine eigene psychologische Kriegführung bekannte Eroberer vonKonstantinopel, Mehmed II., von dem Anblick 20.000 gepfählter Leiber außerhalb der walachischen Hauptstadt Târgoviște erschüttert war. Viele dieser Opfer waren türkische Gefangene, die im Vorfeld während der türkischen Invasion gefangen genommen worden waren. Die Verluste der Türken in dieser Auseinandersetzung sollen sich angeblich auf 40.000 belaufen haben. Der Sultan übergab die Befehlsgewalt für den Feldzug an seine Offiziere und kehrte selbst zurück nach Konstantinopel, obwohl seine Armee den walachischen Truppen zahlenmäßig 3:1 überlegen und besser ausgerüstet war.

Vlad soll seinen ersten bedeutenden Akt von Grausamkeit kurz nachdem er zur Macht gekommen war verübt haben, getrieben von Rache und zur Festigung seiner Macht: Er lud demnach die adeligen Bojaren und deren Familien, die an dem Attentat auf seinen Vater und der Lebendigbegrabung seines älteren Bruders Mircea beteiligt gewesen waren, zur Feier des Osterfestes ein. Viele dieser Adeligen waren ebenso am Sturz zahlreicher anderer walachischer Prinzen beteiligt. Im Verlauf des Festmales befragte er seine noblen Gäste, wie viele Prinzen sie während ihres Lebens im Amt gesehen und überlebt hätten. Alle hatten mindestens sieben Prinzen überlebt, einer sogar mindestens dreißig. Vlad ließ alle Adeligen festnehmen; die älteren wurden auf der Stelle mit ihren Familien gepfählt, die jüngeren und gesünderen wurden von Târgoviște Richtung Norden zur Burg Poienari in den Bergen oberhalb des Flusses Argeș verschleppt. Dort wurden sie für Monate gezwungen, die Festung mit Materialien von einer anderen Burgruine nahebei wieder aufzubauen. Die Erzählung besagt, dass die Zwangsarbeiter schufteten, bis ihnen die Kleider vom Leibe fielen, um danach nackt weiter zu arbeiten. Nur wenige der ehemaligen Gentry sollen diese Qual überlebt haben. Während seiner Herrschaft rottete Vlad zur Festigung seiner Macht die alte Bojarenklasse in der Walachei systematisch aus.

Deutsche Erzählungen 

Darstellung Vlad III. als Pontius Pilatus bei der Verurteilung von Jesus Christus, 1463. Nationalgalerie, Ljubljana.
Darstellung Vlad III. als Aegeas(römischer Prokonsul in Patras) bei der Kreuzigung des Apostels Andreas, um 1470–1480. Österreichische Galerie Belvedere, Wien.

Die deutschen Erzählungen beruhen auf Manuskripten, die vor Vlads Inhaftierung 1462 verfasst wurden und dann im späteren 15. Jahrhundert Verbreitung fanden.[25] Durch die Erfindung der Druckerpresse durch Johannes Gutenberg um 1450 fand der Text in Deutschland später weite Verbreitung und wurde zum Bestseller, mit zahlreichen hinzugefügten Editionen oder verändertem Inhalt.

Michel Beheim verfasste im Winter 1463 am Wiener Hof von Kaiser Friedrich III. das Gedicht „Von ainem wutrich der hies Trakle waida von der Walachei“.[28] Von den Publikationen sind bis heute vier Manuskripte aus dem letzten Viertel des 15 Jahrhunderts und 13 Flugschriften aus der Zeit von 1488 bis 1559/1568 erhalten, acht davon als Inkunabeln. Die deutschen Erzählungen bestehen aus 46 Kurzgeschichten, jedoch existiert keine Komplettausgabe. Alle Geschichten beginnen mit der Beschreibung des alten Regenten (gemeint ist Johann Hunyadi), und seinem Mord an Vlads Vater, und der Konversion Vlads und seines älteren Bruders von ihrer alten Religion zum christlichen Glauben, und deren Schwur, das Christentum zu verteidigen und aufrecht zu erhalten.

Nach dieser Anordnung weichen die Episoden in den verschiedenen Manuskripten und Flugschriften voneinander ab. Die Titel der Geschichten variieren in insgesamt drei Versionen.[24] Die erste Version des deutschen Textes stammt wahrscheinlich aus der Feder eines Gelehrten in Kronstadt und spiegelt die Gesinnung der Siebenbürger Sachsen in Kronstadt und Sibiu wieder, welche zwischen 1456 und 1460 stark unter Vlads Feindseligkeiten zu leiden hatten. Die düstere und grimme Darstellung Vlads, teils historisch fundiert, teils übertrieben und fiktiv, war daher wohl politisch motiviert.

Vlads Schreckenstaten gegen das walachische Volk wurden als Versuche interpretiert, seinen eigenen Verhaltenskodex in seinem Land durchzusetzen. In den Flugschriften richtete sich Vlads Zorn auch auf Verstöße gegen die weibliche Sittsamkeit. Unverheiratete Mädchen, die ihre Jungfräulichkeit verloren; Ehebruch begehende Ehefrauen, sowie unkeusche Witwen wurden allesamt Ziel von Vlads Grausamkeiten. Frauen mit derartigen Verfehlungen wurden oft die Geschlechtsorgane herausgeschnitten oder die Brüste abgeschnitten. Auch wurden sie mit glühenden Pfählen durch die Vagina gepfählt, bis der Pfahl zum Munde der Opfer heraustrat.[21] Ein Report berichtet von der Exekution einer untreuen Ehefrau. Ihre Brüste wurden abgeschnitten, danach wurde sie gehäutet und auf einem Platz in Târgoviște gepfählt, mit ihrer Haut auf einem nahenstehenden Tisch liegend. Vlad bestand ebenso auf Ehrlichkeit und den Fleiß seiner Untertanen. Kaufleute, die ihre Kunden betrogen, fanden sich schnell neben gemeinen Dieben am Pfahl wieder. Vlad sah die Armen, Kranken, und Bettler als Diebe. Eine Geschichte erzählt von seiner Einladung an Kranke und Arme zu einem Festmahl, währenddessen das beherbergende Gebäude geschlossen und angezündet wurde.

Russische Erzählungen

Die russisch-slawischen Versionen der Geschichten über Vlad Țepeș trugen den Titel Skazanie o Drakule voevode (deutsch Geschichten über den Wojwoden Dracula) und wurden zwischen 1481 und 1486 verfasst. Kopien der Geschichten wurden vom 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert kopiert und verbreitet. Es existieren 22 Manuskripte in russischen Archiven.[29] Das älteste Manuskript stammt aus dem Jahr 1490 und endet wie folgt: „Zuerst geschrieben am 13. Februar im Jahr 6994 [gemeint ist 1486], dann abgeschrieben am 28. Januar im Jahr 6998 [gemeint ist 1490] durch mich, den Sünder Elfrosin“. Die Anekdotensammlung über den Wojwoden Dracula ist weder chronologisch noch widerspruchsfrei, jedoch von großem literarischen und historischen Wert. Die 19 Episoden der Geschichten über den Wojwoden Dracula sind länger und mehr ausgebaut als die deutschen Geschichten. Sie können in zwei Teile untergliedert werden, wobei die ersten 13 Episoden mehr oder weniger Ereignisse in chronologischer Ordnung darstellen, die sich an die mündlichen Überlieferungen und in zehn Fällen eng an die deutschen Geschichten anlehnen.[30] Es wird angenommen, dass die letzten sechs Episoden von einem Gelehrten geschrieben wurden. Diese Geschichten sind mehr chronologischer und strukturierter Art.

Die Geschichten über den Wojwoden Dracula beginnen mit einer kurzen Einleitung und gehen dann in die Geschichte über das Nageln von Hüten auf die Köpfe von Botschaftern über. Sie enden mit dem Tod von Vlad Țepeș und Informationen über seine Familie.[25][29][20] Die deutschen und russischen Geschichten ähneln sich, jedoch beschreiben die russischen Erzählungen Vlad in einem positiveres Licht. Hier wird er als großer Gebieter, mutiger Soldat und gerechter Landesfürst gesehen. Auch gab es Erzählungen über Gräueltaten, aber diese wurden als Handlungen eines starken Alleinherrschers gerechtfertigt. Die 19 Episoden enthalten nur sechs Abschnitte mit übertriebener Gewalt.[25][29][20]Einige Elemente der Geschichten über den Wojwoden Dracula wurden später den russischen Erzählungen über Iwan IV., auch genannt der Schreckliche, hinzugefügt.[31] Die Nationalität und Identität des ursprünglichen Verfassers der Geschichten um Vlad ist umstritten. Es wird angenommen, dass es sich hierbei um einen rumänischen Priester oder Mönch handelte, wahrscheinlich aus Transsilvanien oder vom Hofe des Ștefan cel Mare von Moldawien. Andere Quellen nennen einen russischen Diplomaten namens Fedor Kuritsyn als Verfasser.[25][29]

Politische Motive 

Der ungarische König Mathias Corvinus soll Anteil an der Schaffung dieses Persönlichkeitsbildes gehabt haben. Corvinus hatte umfangreiche finanzielle Unterstützung aus Rom und Venedig für die militärischen Auseinandersetzungen mit dem Osmanischen Reich erhalten, welche er aber statt dessen der Finanzierung seines militärischen Konflikts mit Kaiser Friedrich III. zuführte. Corvinus begründete seine Abwesenheit von dem Krieg gegen die Türken gegenüber seinen Geldgebern, indem er Vlad zum Sündenbock machte. Unter dem Vorwand eines gefälschten Briefes, in dem Vlad angeblich Sultan Mehmed II. seine Loyalität versprach, ließ er Vlad festnehmen und profitierte von den von seinem Hof in Buda zwischen 1462 und 1463 in Mittel- und Osteuropa verbreiteten Horrorgeschichten über Vlad.[25][32]

Es gab Versuche, Vlads Handeln wegen der nationalen Rivalität zwischen den in Siebenbürgen und der Walachei ansässigen Volksgruppen als politische Notwendigkeit zu rechtfertigen. Die meisten der Kaufleute in Transsilvanien und der Walachei waren Siebenbürger Sachsen, welche von den einheimischen Walachen als Ausbeuter und Parasiten betrachtet wurden. Die deutschstämmigen Kaufleute machten sich ferner die Feindschaft der Bojarenfamilien untereinander und ihren Streit um den walachischen Thron zunutzte, indem sie verschiedene Thronprätendenten unterstützten und gegeneinander ausspielten. Auf diese Weise hatten sie aus Vlads Sicht ebenso wie die Bojaren selbst ihre Illoyalität unter Beweis gestellt. Und nicht zuletzt waren Vlads Vater und sein älterer Bruder von abtrünnigen Bojaren ermordet worden.[33]

Ein heute noch benutzter rumänischer Spruch lehnt sich an die Mythen um Vlad III. an: „Unde ești tu, Țepeș Doamne?“ (deutsch Wo bist du, Țepeș [Pfähler], Herr?) wird im Bezug auf chaotische Zustände, Korruption, Faulheit etc. verwendet. Der Spruch ist eine Zeile aus einem polemischen Gedicht des Dichters Mihai Eminescu (1850–1889), in dem das nationalpolitische Desinteresse der rumänischen Oberschicht angegriffen wird. Eminescu fordert seinen imaginären Ansprechpartner Vlad auf, die Hälfte der Oberschicht wie einst die Bojaren zu pfählen und die andere Hälfte wie einst die Bettler und Herumtreiber in einer Festhalle zu verbrennen.[25][34]

Vlads leidenschaftliches Beharren auf Ehrlichkeit bildet den Kern der mündlichen Überlieferungen. Viele der Anekdoten aus den publizierten Flugschriften und der mündlichen Überlieferung unterstreichen die rastlosen Bemühungen des Prinzen zur Eindämmung von Kriminalität und Verlogenheit. Während seiner Wahlkampagne 2004 bezog sich der rumänische Präsidentschaftskandidat Traian Băsescu in einem Diskurs gegen die Korruption in seinem Land auf die von Vlad Țepeș angewendeten Methoden zur Bestrafung von gesetzeswidrigen Handlungen.[34]

Der 1989 gestürzte rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu entwickelte in den 1970er Jahren eine besondere Vorliebe für Vlad Drăculea und gab einen Monumentalfilm über den Pfählerin Auftrag (Vlad Țepeș (1979), Regie: Doru Nastase). Der Film ließ Vlad III. Drăculea wie einen direkten Vorläufer oder geistigen Ahnen des Diktators erscheinen. Unter dem Titel Das wahre Leben des Fürsten Dracula wurde der Film auch in der DDR gezeigt. Obwohl Vlad bereits im 19. und vor allem im frühen 20. Jahrhundert ein Mythos war, wurde er unter Ceaușescu zu einer allgegenwärtigen Figur in der Literatur, in der Geschichtsschreibung und nicht zuletzt in den Schulbüchern. Die rumänischen Historiker waren angehalten, die angeblichen Grausamkeiten entweder zu bagatellisieren oder als Beweis für die strenge, aber gerechte Herrschaft Vlads zu preisen. Schließlich sollte sogar der Name Dracul(a)umgedeutet werden, weil er im modernen Rumänisch Teufel und nicht Drache bedeutet. Mit einer unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten zweifelhaften Etymologie wurde der Name nun von einer slawischen Wortwurzel drag- abgeleitet, die etwa auch im serbischen Vornamen Dragan erscheint und so viel wie Liebling heißt. Dracula war also der kleine Lieblingseiner getreuen Untertanen – eine Argumentation im Sinne von Nicolae Ceaușescu, der sich im Rahmen des um seine Person zelebrierten Personenkults gern als der geliebte Sohn des rumänischen Volkes feiern ließ.[35][36]

Bei seiner Flucht aus Bukarest im Dezember 1989 steuerte das Ehepaar Ceaușescu zuerst Snagov an, die angebliche Grabstätte Vlads. Gefasst wurden die Ceaușescus schließlich in Târgoviște, wo der Fürst einst Hof hielt. Dort wurden Elena und Nicolae Ceaușescu am 25. Dezember 1989 nach kurzem Prozess standrechtlich erschossen.[9]

Historische Stätten 

Eine Reihe von Ortschaften wird mit dem Namen des Fürsten in Verbindung gebracht und touristisch vermarktet. Ein Beispiel ist Schloss Bran (deutsch Törzburgungarisch Törcsvár) in der Ortschaft Bran des Kreises Brașov (ehemals Kronstadt). Historisch ist die Festung bis heute nicht als Heimat Drăculeas nachweisbar. Der Name Vlad Drăculea taucht in der wechselvollen Eigentümerliste nicht auf. Nur in einer Quelle wird erwähnt, dass der Fürst in der Burg Bran einmal übernachtet hat. Für die Behauptung, Vlad sei in Schäßburg (heute Sighișoara) in Siebenbürgen zur Welt gekommen, gibt es keine Belege. Das Haus, in dem gemäß rumänischen Reiseführern sein Vater für kurze Zeit gelebt haben soll, ist erst nach dem großen Stadtbrand im Jahre 1676 gebaut worden. Auch war im angeblichen Grab Vlads in Snagov keine Leiche zu finden, wie im Zuge einer Öffnung des Grabes im Jahre 1931 festgestellt wurde.

Vlads erste Ehefrau 

1462, während der türkischen Belagerung der Festung Poenari, angeführt von Vlads Halbbruder Radu cel Frumos, hat der Legende nach die erste Frau Vlads (Name ist nicht bekannt) Selbstmord verübt. Eine Bestätigung der Geschichte durch historische Dokumente konnte bisher nicht erbracht werden.[18] Ein treuer Bogenschütze soll einen Pfeil durch das Fenster von Vlads Gemächern geschossen haben. Der Schütze war einer von Vlads früheren Dienern, der zur Konversion zum Islam gezwungen worden war. Der Pfeil enthielt die Nachricht, dass Radus Truppen im Begriff waren anzugreifen. Nach dem Lesen dieser Botschaft soll sich Vlads Ehefrau von der Burg in einen an der Burg vorbeilaufenden Nebenfluss des Argeș, denRâul Doamnei (deutsch Der Fluss der Dame), gestürzt haben. Ihre letzten Worte sollen gewesen sein, dass sie ihren Leib lieber in den Wassern des Argeș verrotten oder von Fischen zerfressen lassen würde, bevor sie sich in türkische Gefangenschaft (Sklaverei) begebe. Filmisch umgesetzt wurde diese Legende in Francis Ford Coppolas Film Bram Stokers Dracula, in dem Draculas Frau Elisabeta sich auf die falsche Nachricht vom Tod ihres Gatten das Leben nimmt. Dracula verflucht daraufhin Gott und ist zur Strafe fortan verdammt, als Untoter zu leben.

Dracula 

Dracula ist der Titel eines Romans von Bram Stoker aus dem Jahr 1897 sowie der Name der zentralen Figur, Graf Dracula, des wohl berühmtesten Vampirs der Literaturgeschichte. Bei der Schaffung der Figur soll Stoker durch Prinz Vlad III. inspiriert worden sein. Diese in den 1970er Jahren populär gemachte These der Historiker Radu R. Florescu und Raymond T. McNally wurde jedoch von anderen Autoren in Frage gestellt.[37][38] McNally selbst äußerte die Vermutung, dass auch die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory zur Inspriration des Autors beigetragen haben kann.[39] Endgültig ins kollektive Gedächtnis gelangte Dracula vor allem durch unzählige Verfilmungen des Stoffes, besonders in den Darstellungen von Max Schreck,Christopher LeeBela LugosiKlaus Kinski und Gary Oldman. Die Zeit der Romanvorlage ist das Ende des 19. Jahrhunderts.

 

 



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